Was ist Romantik?

Mit dem Fortschreiten der Arbeiten am Deutschen Romantik-Museum unmittelbar neben dem Frankfurter Goethe-Haus mehren sich auch die Gespräche und Debatten rund um einen Begriff, dessen Bestimmung keineswegs leicht ist. Nicht zuletzt führt die vom tradierten germanistischen Gebrauch abweichende europäische Begriffsverwendung leicht zur Verwirrung, so dass Goethe gleichermaßen als wichtigster Vertreter und als Gegner der Romantik aufgefasst werden kann. In Betracht zu ziehen sind überdies nicht nur die unterschiedlichen zeitlichen Entfaltungen in den einzelnen Nationalkulturen, sondern es ist auch der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die Romantik-Begriffe der beteiligten Disziplinen – Literatur, Kunst, Musik, Philosophie u.a. – nicht einfach aufeinander abzubilden sind.
Die Romantiker selbst bieten ganz unterschiedliche und vielfältig interpretierbare literarische Begriffsbestimmungen. Ihr Anspruch war kein geringerer als eine Romantisierung der Welt mit den Mitteln von Poesie und Kunst, in der die Grenzen zwischen den einzelnen Künsten, der Philosophie und der Wissenschaften fließend zu sein haben und die, indem sie auch dem Wunderbaren un d Utopischen Zugang gewährt, ein radikal neues Lebensgefühl aufkommen lässt. Clemens Brentano legt seine Erklärung des Phänomens Godwi, dem Protagonisten seines „verwilderten Romans“, in den Mund: „Das Romantische ist also ein Perspectiv oder vielmehr die Farbe des Glases und die Bestimmung des Gegenstandes durch die Form des Glases.“
In den Veranstaltungen der ersten Romantik-Reihe 2018 haben wir uns dem Begriff der Romantik von den Rändern her anzunähern gesucht, und auch in der zweiten Staffel der Reihe treten „Grenzgänger“ auf: Über Heinrich Heine wollen wir sprechen, der sich vom Anhänger der romantischen Anfänge zu einem ihrer radikalsten Widersacher entwickelte. Und wie verhält es sich mit Goethes ‚West-östlichen Divan‘, der – zuerst erschienen im Jahr 1819 – zu den Themenschwerpunkten des Jahres 2019 zählt? Kann die große Gedichtsammlung als romantischer Text gelesen und verstanden werden?
Außerdem sollen die anderen Künste in den Blick genommen werden, die nicht nur von den Literaten vielfältig einbezogen wurden, sondern zur Weltgeltung der deutschen Romantik Entscheidendes beigetragen haben. So wird Clara Wieck-Schumann zum 200. Geburtstag ein eigener Abend gewidmet sein. Und schließlich wollen wir uns in der bildenden Kunst umschauen. Was ist romantisch an den großen deutschen Malern wie Philipp Otto Runge und Caspar David Friedrich? An so unterschiedlichen Künstlern wie Moritz von Schwind, Ludwig Richter, den Nazarenern und den Präraffaeliten?
Wir zählen auf Ihr Interesse und freuen uns auf anregende Abende und lebhafte Gespräche mit Ihnen.
Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken
21.04. Beethovens romantischer Impuls

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